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Taupunkt, Feuchte, Wärmebrücke
Vier Begriffe erklären fast jeden Schimmelschaden in einer Wohnung. Wenn Sie die verstanden haben, können Sie jede Empfehlung selbst prüfen, auch unsere.
Wenn auf dem Hygrometer 55 Prozent stehen, ist das keine absolute Menge. Es heißt: die Luft trägt 55 Prozent von dem, was sie bei dieser Temperatur maximal tragen könnte.
Warme Luft kann viel Wasser halten, kalte Luft wenig. Deshalb ändert sich die relative Feuchte, sobald sich die Temperatur ändert, obwohl kein einziger Tropfen dazugekommen ist. Genau das passiert an einer kalten Wand: dieselbe Luft, nur kälter, und plötzlich sind es 82 Prozent statt 55.
Ein Vergleich, der hilft: stellen Sie sich die Luft als Rucksack vor. Ein warmer Rucksack ist groß, ein kalter ist klein. Der Inhalt bleibt gleich. Am kalten Fenster wird der Rucksack kleiner, und was nicht mehr reinpasst, fällt raus.
Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der Luft 100 Prozent erreicht. Bei 20 Grad und 55 Prozent liegt er bei 10,7 Grad. Jede Fläche im Raum, die kälter als 10,7 Grad ist, bekommt Kondenswasser. Das ist keine Meinung, das ist Physik, und man kann es an einem kalten Glas Wasser im Sommer nachsehen.
Das ist der Punkt, an dem die meisten Erklärungen aufhören, und genau dort entsteht der Schaden.
Schimmelsporen keimen nicht erst bei 100 Prozent, sondern bereits ab etwa 80 Prozent Luftfeuchte direkt an der Oberfläche. Zwischen 80 und 100 Prozent liegt eine Zone, in der Schimmel wächst und trotzdem nie ein Tropfen Wasser zu sehen ist. Deshalb sind so viele Menschen überzeugt, sie hätten kein Feuchteproblem, während hinter dem Schrank schon alles schwarz ist.
Umgerechnet auf unsere Beispielwand: 80 Prozent an der Oberfläche werden erreicht, sobald die Wandfläche kälter als 14,1 Grad ist. Der Taupunkt liegt bei 10,7. Zwischen diesen 3,4 Grad liegt die ganze Grauzone.
Merksatz
Unter 14 Grad Oberflächentemperatur wächst Schimmel. Unter 11 Grad steht Wasser. Alles über 15 Grad ist in einem normal geheizten Raum sicher.
Eine Wärmebrücke ist eine Stelle, an der mehr Wärme nach draußen fließt als in der Fläche daneben. Es gibt zwei Arten.
Innendämmung ist bauphysikalisch immer heikel, weil sie die Wand dahinter kälter macht. Das gilt auch für unsere Platte. Der Unterschied liegt darin, was mit der Feuchtigkeit passiert, die trotzdem an der kalten Stelle anfällt.
Die klassische Lösung ist eine Dampfsperre: eine Folie, die verhindert, dass Feuchtigkeit überhaupt in den Aufbau kommt. Das funktioniert, solange die Folie absolut dicht ist. Ein Nagel für ein Bild, eine schlecht verklebte Naht, eine Steckdose, und die Feuchtigkeit geht hinein und kommt nicht mehr heraus. Der Schaden entsteht dann unsichtbar, hinter der Dämmung.
Kalziumsilikat geht den umgekehrten Weg. Es ist kapillaraktiv, also saugfähig. Feuchtigkeit, die an der kalten Stelle anfällt, wird durch Millionen Poren aufgenommen, verteilt und wieder an die Raumluft abgegeben, sobald diese trockener wird. Der Aufbau bleibt offen und kann trocknen. Er verzeiht Fehler, statt sie zu verstecken.
Dazu kommt der hohe pH-Wert. Kalziumsilikat ist stark alkalisch, und darauf wächst Schimmel schlecht, ganz ohne Biozid, das mit der Zeit auswäscht.
Styropor dämmt sehr gut, aber es nimmt keine Feuchtigkeit auf und es leitet sie auch nicht weiter. Wenn hinter der Platte Feuchtigkeit anfällt, bleibt sie dort stehen, zwischen Dämmung und Mauerwerk, im Dunkeln, bei angenehmen Temperaturen. Das ist die perfekte Umgebung für Schimmel, und man sieht ihn erst, wenn die Platte wieder abkommt.
Bei einer Außendämmung ist Styropor unproblematisch, weil die Wand dahinter warm bleibt. Innen ist es die falsche Wahl.
So kommt die Zahl zustande, die überall auf dieser Seite auftaucht. Sie können sie mit einem Taschenrechner nachvollziehen.
Genau diese Rechnung läuft im Wandsimulator in Ihrem Browser, in Echtzeit, während Sie am Regler ziehen.
Häufige Fragen
Sie ist anspruchsvoller als eine Außendämmung, das stimmt. Der Grund: die Wand dahinter wird kälter und trocknet langsamer. Deshalb ist der kapillaraktive Aufbau so wichtig, und deshalb rechnen wir jede Wand vorher durch, statt pauschal eine Stärke zu empfehlen. Bei schlagregenbelasteten Westfassaden ohne funktionierenden Außenputz raten wir ab.
Weil jeder zusätzliche Zentimeter die Wand dahinter kälter macht. Mehr ist hier nicht automatisch besser. Die richtige Stärke ist die, die die Oberfläche sicher über die Schimmelgrenze hebt, mit etwa einem Grad Reserve. Genau danach rechnet unser Mengenrechner.
Der U-Wert sagt, wie viel Wärme durch einen Quadratmeter Wand verloren geht. Er ist die Zahl für Ihre Heizkosten. Für Schimmel ist er nicht die entscheidende Größe, dort zählt die Oberflächentemperatur. Beide hängen zusammen, aber sie beantworten verschiedene Fragen.
Ja, und das lohnt sich. Ein Infrarot-Thermometer für rund 25 Euro zeigt Ihnen die Oberflächentemperatur direkt an der Wand. Dazu ein Hygrometer für die Raumluft. Damit sehen Sie in fünf Minuten, ob Sie unter 14 Grad liegen, und müssen niemandem etwas glauben.
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